Erdbebenhilfe in Nepal

Die Chance, die Not für Veränderungen zu nutzen.

Hintergrund und Rückblick

"Ein unterirdisches Felspaket, achtmal so groß wie Berlin, löste am 28.4.2015 gegen Mittag ein starkes Erdbeben in Nepal aus. Das Beben hatte die Wucht eines 150 Meter dicken Meteoriten und verschob ganze Ortschaften.

Das Felspaket rückte innerhalb von 30 Sekunden drei Meter voran. Es ratterte nahezu flach über das Gestein unter ihm, aber verkantete immer wieder, so dass der Boden mehr als tausend Kilometer weit zitterte und im Umkreis von 300 Kilometern so schwer erschüttert wurde, dass tausende Gebäude einstürzten. Der Untergrund schlitterte nach Süden - Kathmandu und angrenzende Ortschaften liegen nun drei Meter weiter südlich als vor dem Beben. Es gab Hunderte von Nachbeben und die Erde ist bis heute noch nicht zur Ruhe gekommen.

Hauptsächlich betroffen sind die Regionen rund um Kathmandu, Gorka, Langtang und auch die Verbindungsstraße Richtung Tibet. In diesen Regionen starben die meisten Menschen, wichtige Verbindungsadern sind zerstört. Insgesamt hat das Beben ca. 9000 Opfer gefordert und es hat ca. 2,8 Millionen Menschen obdachlos gemacht."1

Die im Mai einsetzende Regenzeit hat die Situation weiter verschlimmert. Hygienische Probleme, Krankheiten, Mangelernährung, Nachwirkungen von traumatischen Erlebnissen und ungewisse Zukunftsaussichten für die Betroffenen sind die Folgen der Katastrophe. Besonders die Kinder leiden stark darunter.

Die großen organisatorischen Mängel seitens der Regierung, aber auch der Geberländer und der vielen NGOs im Lande, behinderten oft die effektive Direkthilfe für die Bevölkerung. Andererseits ist es bewundernswert, wie viel schon mit wenig Mitteln erreicht werden konnte, so dass vielen Menschen bereits das Leben gerettet oder erleichtert wurde. Der persönliche Einsatz der Einheimischen ist trotz der schrecklichen Erlebnisse hoch.

Positiv ist, dass die Regierung durch die Katastrophe gezwungen wird, neue Vorschriften zur Erdbebensicherheit zu erlassen. Sie wird dabei international unterstützt. Das Versprechen, nach zwei Monaten verlässliche Rahmenbedingungen für erdbebensichere Neubauten und Renovierungen zu erlassen, konnte allerdings nicht eingehalten werden. Die Arbeiten dauern weiter an und einen verhängten Baustopp wird es vermutlich noch bis Ende August geben - wenn nicht länger.

Ein Segen ist, dass all unsere Kinder und Familien überlebten und wieder ein Dach über dem Kopf haben. Eine Familie hat leider ihr Haus verloren.

Kathmandu in der Regenzeit 2015 Dorfstraße in Borle - Langtang, Mai 2015

Was haben wir bisher getan?

Dank der schnellen Hilfe durch unsere Spender konnten wir schon am 10.5.2015 5000 € Direkthilfe an NHEFoN - Ram Kumar Tamang zusagen und überweisen. Von dem Geld wurden Zelte, Wellblechdächer und Lebensmittel, sowohl in Kathmandu als auch im Langtang, bereitgestellt und von Ram verteilt.

Was passiert weiterhin mit Ihren Spenden?

Neben der Direkthilfe im Langtang und der Absicherung unserer Projektfamilien in Kathmandu haben wir gemeinsam mit Ram Kumar Tamang - NHEFoN entschieden, in der am stärksten betroffenen Region Langtang eine Grundschule wieder aufzubauen und der Dorfbevölkerung zur Nutzung zu übergeben.

Diese soll auf hohem internationalen Standard erdbebensicher erbaut werden. Die Schule soll, soweit wie möglich und sinnvoll, mit vorhandenen Ressourcen gebaut werden.

Voraussetzung ist die Selbstbeteiligung der Bevölkerung und ein verbindlicher Kooperationsvertrag mit dem Gemeinderat über die zu erbringenden Leistungen aller Beteiligten und die zukünftige Verantwortung für das Gebäude.

Bei optimalem Verlauf und zeitnaher Erteilung der Baugenehmigung durch die Distriktsbehörde könnten wir voraussichtlich im November 2015 mit dem Bau beginnen.

Mehr zum Schulbau

1Text:Süddeutsche Zeitung Online, abgerufen am 07.08.2015